Sollten Sie als Privatperson oder über ein Unternehmen investieren?

Lesedauer: 1 Min.

Autor: Ranno Tingas, Partner, Ernst & Young Baltic AS (EY)


Bild: Ranno Tingas

Das ist eine Frage, die sich jeder Anleger früher oder später stellt. Im Idealfall sollte es bereits bei der Investition entschieden werden, aber oft bleibt noch Zeit und ein Grund, später darüber nachzudenken. Glücklicherweise können Sie Ihre Investition später auf ein Unternehmen übertragen, aber dies muss richtig gemacht werden.

Der Vorteil der Investition als Privatperson liegt in der Einfachheit und dem damit verbundenen minimalen Bürokratieaufwand. Daher werden neuartige Anlage- und Investitionsplattformen zunächst oft als Privatperson ausprobiert. Steigen jedoch die Volumina und Umsätze, stellt sich leider irgendwann die Frage, ob die Investition als Privatperson noch sinnvoll ist. Denn jedes Zinsergebnis einer Privatperson ist sofort steuerpflichtig und es ist leider nicht möglich, die Gewinne und Verluste einer Crowdfunding-Plattform auszugleichen. Darüber hinaus ist die Abzugsfähigkeit der Ausgaben für Privatpersonen sehr begrenzt und die Risiken werden vollständig durch deren Vermögen getragen. Ein wichtiger Vorteil für Unternehmen ist, dass die Einkommensteuer nur bei der Gewinnausschüttung und nicht bei der Erzielung des Gewinns gezahlt wird. So haben Unternehmen offensichtliche Steuervorteile, aber auch höhere Verwaltungskosten (Zeit und Geld). Beim Einkommensteuersatz gibt es keinen Unterschied in der Besteuerung von Zinserträgen – für Unternehmen und Privatpersonen gilt der gleiche Steuersatz. In beiden Fällen beträgt der Einkommensteuersatz 20 %, bei Privatpersonen wird er jedoch auf der Grundlage des Bruttoeinkommens und bei Unternehmen aus dem Nettoeinkommen berechnet (daher beträgt der Steuersatz hier 20/80).


Investitionen können als Verkaufstransaktion oder Sachleistung auf Ihr Unternehmen übertragen werden. 

Im Allgemeinen ist die Option Verkaufstransaktion sinnvoller, da sie es ermöglicht, von der Gesellschaft steuerfreies Geld in Höhe des Verkaufspreises der Investition zu erhalten. Die Übertragung einer Investition auf Ihr Unternehmen durch einen Sachbeitrag ist bürokratischer, aber in diesem Fall wird kein Geld bewegt. Eine kostenlose Übertragung oder Spende von Investitionen an Ihr Unternehmen ist aus verschiedenen Gründen nicht sinnvoll. Da eine Investition durch Crowdfunding im Wesentlichen ein Darlehen ist, sprechen wir von der Übertragung einer Schuldenforderung von einer Privatperson auf ihr Unternehmen. Die Übertragung einer Investition muss für die Buchhaltung der Gesellschaft und für steuerliche Zwecke ordnungsgemäß dokumentiert werden, damit später klar ist, was vor sich ging und welche Transaktion es war.

Wird die Entscheidung über die Form der Übertragung der Investition getroffen, so stellt sich als nächstes die Frage nach dem Preis. Der allgemeine Steuergrundsatz besagt, dass Transaktionen zwischen den beteiligten Parteien zu Marktpreisen erfolgen müssen. Daher ist es notwendig, den Marktpreis Ihrer Investition zu ermitteln. Dies kann jedoch schwierig zu bestimmen sein und eine Bewertung lohnt sich bei kleineren Beträgen nicht. Daher kann das Eingehen eines Risikos und die Verwendung des Angebotspreises, des Nominalwerts und des Restwertes der Investition am Sekundärmarkt ein nützlicher Maßstab sein. Es ist zu berücksichtigen, dass ein gewinnbringender Verkauf von Investitionen an ein Unternehmen beim Privatmann einkommensteuerpflichtig ist. Bei Anlagen, deren tatsächlicher Marktwert unter dem Nominalwert liegt, ist Vorsicht geboten, da der Verkauf an ein Unternehmen zu einem höheren Preis als dem Marktwert (wenn auch z. B. für den Nominalwert) ein steuerliches Risiko für das Unternehmen darstellt.

Obwohl die Übertragung von Investitionen auf Ihr Unternehmen eine zulässige Transaktion ist, ist bei der Übertragung von Investitionen auf ein Unternehmen zu einem Nominalpreis (kurz) vor Ablauf der Anlageperiode Vorsicht geboten. Der Steuerbeamte kann es als Steuerhinterziehung interpretieren – motiviert durch den Wunsch, als Privatperson Zinsgewinne zu vermeiden und die Gewinne stattdessen an ein Unternehmen zu leiten. In der Rechtsprechung werden solche Einkünfte, die der Gesellschaft zufließen, als persönliche Gewinne einer Privatperson im schlechtesten Fall besteuert.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine einfache Formel gibt, um festzustellen, ob es besser ist, als Privatperson oder über ein Unternehmen zu investieren. Im Crowdfunding ist es jedoch wirtschaftlicher, ein Unternehmen zu nutzen, wenn es um größere Investitionen geht. Es ist die individuelle Pflicht jedes Anlegers, die „größeren Investitionen“ zu definieren, die die zusätzliche Bürokratie und die zusätzlichen Kosten überwiegen würden.

Schauen Sie in unseren FAQ-Bereich „Anlagekonto“, wo Sie Antworten auf die folgenden Fragen finden:

  • Verschieben von Investitionen von einem Anlagekonto auf ein anderes.
  • Wie kann man Geld von einem Anlagekonto auf ein anderes überweisen?
  • Mehrere Investmentkonten: Privat- und Geschäftskonto.

Falls Sie noch kein Konto bei Crowdestate haben, können Sie hier eins erstellen.

Zeit zum Investieren! 🙂

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